
Filmarchiv Austria, Bunkerei
Augarten & Aktionsradius Wien präsentieren:
ROMA.REIGEN
MUZIKA BO SAVATO | 6
SAMSTAGE | 6 ROMABANDS | 6 STILE
Thara heißt in der Sprache der Roma Morgen oder Zukunft;
ausgesprochen wird das Wort so: Tehara. Also, das Tehara-Haus, eine
Empowerment-Einrichtung für junge Wiener Roma jeder Herkunft, hatte einmal
einen Tag der offenen Tür. Neugierige Nicht-Roma tröpfeln herein; eine
selbstbewusste junge Aktivistin empfängt sie ungefähr so: „Was wolltet ihr
immer schon über die Roma wissen?“ Die Frage ist eine Falle, wie die Gäste bald
merken. Die Aktivistin klärt auf, fast leidenschaftlich: „DIE Roma gibt es
nicht. Jeder Satz, der mit ‚Die Roma sind ...’ anfängt, ist eine Lüge.“
Einverstanden. Wir wollen mit dem kleinen Festival im Augarten, mit
ROMA.REIGEN, nichts über DIE Roma-Kultur aussagen, und schon gar nicht den
unsäglichen Pauschal-Befund wiederholen, DIE Roma hätten Musik im Blut. Die
sechs Bands, die an sechs Sommersamstagen auftreten, sind ohnehin ein guter
Beweis für die Vielfalt der Kultur der Roma. ROMA.REIGEN soll auch nicht –
stellvertretend für die immer aktiver werdende und ihre Zersplitterung
überwindende Selbstorganisation der Roma-Minderheit – deren soziale, kulturelle
und politische Anliegen rekapitulieren. ROMA.REIGEN soll einfach einen
Überblick über traditionelle und kontemporäre Stile von RomamusikerInnen
diverser Herkünfte geben. Im Sinne von „Tehara“, sprich einer schöneren
Zukunft, erlauben sich die Veranstalter ein post scriptum: Wer von der Musik
der Roma fasziniert ist, muss – wie uns jede Empirie leider lehrt – MUSS nicht sensibel sein für die Hypothek
der Verfolgung, die auf den Roma lastet; aber dürfen wir uns wünschen, dass die
Musik den Anstoß für erweiterte Empfindsamkeit gibt? ROMA.REIGEN bekennt sich
in einem Punkt zum Pauschalurteil: DIE Roma haben ihre Ziele noch nicht
erreicht. Nirgends ...
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14. Juli | BUNKEREI: Moša
Šišić & The Modern Gypsies (Wien/Serbien) Moša Šišić spielt Violine
seit seinem 6. Lebensjahr. Er ist in einer Musikerfamilie in der Nähe von
Belgrad, Serbien, aufgewachsen, in der das Geigenspiel über Generationen
hinweg gepflogen wurde. Moša studierte sechs Jahre am Konservatorium in Wien.
Seit mehreren Jahren schon spielt er gemeinsam mit seiner Familie: seiner
Frau Jasmina, seinem Sohn Miki, in letzter Zeit ist auch ein Bruder dabei.
„Gadjo“ Josef Brachner. der Wiener Gitarrist, ist als „Ehren-Rom“ inzwischen
gut in die Familie integriert. Moša hat seinen eigenen Stil entwickelt, der
sich zwar von der Romamusik ableitet, aber auch Einflüsse aus dem Orient
aufweist. |
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21. Juli |
FILMARCHIV: Cherkezi & Toni Kitanovski (Mazedonien) Über drei Generationen spannt sich
das musikalische Genie der Rashids, des Familienkerns der mazedonischen
Roma-Band Cherkezi. Benannt ist diese nach ihrem Patriarchen, Gründer und
zugleich jugendlichsten Mitglied Cherkez Rashid. Dass die Band heute aber
nicht nur in den Slums von Skopje berühmt ist, sondern weltweit, verdankt sie
dem Jazzgitarristen Toni Kitanovski, der nach 12 Jahren USA-Aufenthalt nach
Mazedonien zurück kehrte und zum Mentor der Gypsy-Band wurde.ഀ Unter seiner Ägide brachten
Cherkezi spielerische Disziplin in ihr trancehaft-ekstatisches Spiel, ohne
dass Letzteres darunter litt. Toni Kitanovski ist übrigens ein unermüdlicher
Fürsprecher für die Rechte der Roma in Mazedonien. Im Vergleich zu anderen
südosteuropäischen Ländern überrascht Mazedonien mit beachtlicher ethnischer
Toleranz. Die Diskriminierung der Roma ist eher eine soziale. In großen
Romasiedlungen Mazedoniens hausen die „Tsigani“ unter Bedingungen, wie man
sie sonst nur aus afrikanischen Ländern kennt. |
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28. Juli | BUNKEREI: Sendreiovci a Kokavakere Lavutára (Slowakei) Janka Sendrei´s Band Kokavare
Lavutára ist eine Roma-Kapelle, die seit ihrer Gründung im Jahr 1997 in der
Slowakei auf und ab unterwegs ist, mit zwei eigenen CD´s im Gepäck – und
inzwischen auch schon in halb Europa begeisterte Fans hat. Kokavare Lavutára ist
Teil des großen Ensembles Romani Luludi und hat viele Preise für die
Bewahrung und Verbreitung der musikalischen Traditionen der Rom erhalten. Nur
mehr wenige „Zigeunerbands“ spielen so, wie es von Generation zu Generation
überliefert wurde. Kokavare Lavutára gehört zum engsten Kreis dieser Retter
des Erbes; die Mitglieder sind auch in der NGO „Lacho drom“ engagiert, das
für emanzipatorische Roma-Kultur-Projekte bekannt ist und u.a. regelmäßig das
beliebte Musik-Festival Balvafest veranstaltet. Mit Janka Sendrei verfügt die
aus der Ostslowakei stammende Band über eine begnadete Leadsängerin mit
internationaler Bühnenerfahrung. |
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04. Aug. | FILMARCHIV: Ruzsa
Nikolić-Lakatos & Band (Wien/Ungarn) Ruzsa Nikolić-Lakatos, Romni
aus der Gruppe der Lovara, ist in Ungarn geboren und flüchtete 1956 als
Elfjährige mit ihrer Familie nach Österreich. Ruzsa hat von frühester Jugend
an gesungen, meist im Familienkreis und bei Festen. Ihre weiche Stimmgebung
ist untypisch für Romasängerinnen. In Österreich und darüber hinaus gilt sie
als eine der berühmtesten musikalischen Botschafterinnen der Roma. Ein harter
Schicksalsschlag – ihr Sohn Sascha Nikolic, musikalischer und
organisatorischer Chef von Ruzsas Familienband, starb am 25. Dezember 2004
nach langer schwerer Krankheit – bewirkte, dass sie sich als Sängerin lange
Zeit zurückzog. Die Trauer ist geblieben – aber zusammen mit ihrem Ehemann
Mišo und mit Saschas Bruder Mischa ist sie auf die Bühnen zurückgekehrt, weil
ihr großes Projekt noch nicht abgeschlossen ist: Die musikalische
Lovara-Tradition aus der Verborgenheit in die Öffentlichkeit (von Roma und
Nicht-Roma) zu bringen. |
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11. Aug. | BUNKEREI: Hans
Samer Band (Burgenland/Wien) Die Band ist der „burgenländische
Beitrag“ des ROMA.REIGENS. Rund 8000 Roma lebten bis 1938 im Burgenland. Auch
in ihrem Leben hatten Musik und Tanz einen zentralen Stellenwert. Die Musik
der Burgenland-Roma war eine Gebrauchsmusik. Roma-Kapellen, die so genannten
"Bandas", waren auf Festen, Hochzeiten, Tanzveranstaltungen und
Umzügen allgemein gern gesehen. Die Roma-Musiker sorgten in vielen burgenländischen
Orten für das Überleben von Volksbräuchen: Roma-Musiker zogen von Haus zu
Haus, um den Leuten ein Ständchen zu bringen. Die traditionelle
Instrumentalmusik der Roma in der Besetzung mit Geige, Bratsche, Klarinette,
Zymbal und Kontrabass orientiert sich vor allem an der "ungarischen
Zigeunermusik". Der Großteil der burgenländischen Roma kam in den KZ´s
ums Leben. Man kann sagen: Der Nationalsozialismus vernichtete eine
musikalische Kultur. Eigentlich verkörpern gegenwärtig nur zwei Gruppen die
Tradition der burgenländischen Roma-Musik – eine davon ist die Hans Samer
Band. |
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18. Aug. | FILMARCHIV: Šeki
Severdjan Orkestar (Wien/Serbien) Šeki Serverdjan, ein serbischer „Zigeunermusiker“
aus Wien, schart immer wieder Musikerkollegen aus dem Balkanraum um sich,
wenn in einer der Veranstaltungssäle und Extrazimmer der Wiener Vorstadt
Hochzeit angesagt ist. Für die meisten Musiker bedeutet das Engagement bei
einer Roma-Hochzeit Zubrot – im
Hauptberuf sind sie „Gastarbeiter“. Nur der Saxophonist und Klarinettist
Bertan Kominov, den sich Šeki für den Auftritt bei ROMA-REIGEN von der
Roma-Band Trubaduro ausgeliehen hat, lebt von der Kunst. Bertan zählt zu den
bekanntesten mazedonischen Roma-Musikern, er lebt aber ebenfalls in Wien. Zum
Unterschied von allen anderen Gruppen unseres kleinen Festivals im Augarten
sind Šeki Serverdjan und seine Leute fast ausschließlich in der
ex-jugoslawischen Szene Wiens unterwegs – doch der möglichen
„Westerweiterung“ ihres Aktionsradius sehen sie gelassen entgegen. |
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Beginn: jeweils
18.30 Uhr Veranstaltungsorte:
BUNKEREI AUGARTEN: Open Air,
im Gastgarten der Bunkerei Augarten, 1020 Wien, Obere Augartenstraße 1a (vis à vis
Rembrandtstraße) oder FILMARCHIV AUSTRIA: Open Air,
im Sommerkino-Garten des Filmarchiv Austria, 1020
Wien, Obere Augartenstraße 1e (Ecke Castellezgasse) Info: Bei Schlechtwetter indoor!
Eintritt frei. Musikspenden erbeten! Programmänderungen
und Irrtümer vorbehalten. www.bunkerei.at,
www.filmarchiv.at, www.aktionsradius.at, www.kultur.park.augarten.org |