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Gedanken
zur Verordnung 2008/06/03-27/13-16 des Stadtrates zur Verzögerung der Zeit: Nehmen
Sie sich Zeit - verbindliche Siesta im Juni 2008 in der AugartenStadt Kurt Neuhold, Stadtrat zur Verzögerung der
Zeit MüSSiggang
– die Quelle aller Kultur
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„Die Feiglinge der Zukunft sind die
Müßigen“ (Saint-Simon) und „Müßiggang ist aller Liebe Anfang“ (Christa Reinig), sind
die beiden Pole, zwischen denen die SIESTA-Hängematten pendeln.
Dem Selbstverständnis der AugartenStadt verpflichtet, ein Ort der Fantasie
und für gelebte Utopien zu sein, versteht sich die SIESTA – Verordnung als
lustvolles Spiel, basierend auf nüchterner Kritik und agierend zwischen Wut
und Ironie, Ökonomie und Poesie. Muße und Müßiggang, diese nicht zufällig aus der Mode gekommen
Worte, werden in unserer „von protestantischer Arbeitsethik“ geprägten Welt
assoziiert mit Faulheit und Schlendrian und sind damit die ärgsten
Widersacher gegen den „Geist des Kapitalismus“ (Max Weber). „Arbeit“ hat in
der Gesellschaft einen beinahe kultischen Stellenwert. Größte Anerkennung
gilt all jenen, die freiwillig, erfolgreich und unermüdlich arbeiten, die
keinen Sonn- und Feiertag kennen und sich höchstens ein „Relax-Wochenende“ in
einem „Wellnesstempel“ gönnen. Trotz oder gerade wegen dieser kultischen
Überhöhung der „Arbeit“ befindet sich
die Arbeitsgesellschaft in der Krise. Der durch Arbeit geschaffene Reichtum
ist ungleich verteilt, die Aufteilung, Bewertung und Wertschätzung von Arbeit
funktioniert ungerecht und schlecht. Sich die Muße nehmen, um über die Zeit nachdenken zu können,
heißt, sich mit der eigenen Endlichkeit zu beschäftigen. Innehalten, zögern,
sich Zeit lassen, um etwas wahrzunehmen –
offen sein, für Entdeckungen bei der Suche in und nach sich selbst,
bereit für Überraschungen und Erkenntnisse sein, wodurch sich Erfahrungen und
Erinnerungen neu ordnen können. Kunst braucht diesen Nährboden, dieses
prozesshafte, unbestimmte. Arbeit ist notwendig, doch Müßiggang ist die
Quelle aller Kultur. Drastisch und polemisch formulierte vor 200 Jahren der deutsche
Philosoph Friedrich Schlegel, dass Fleiß und Nutzen die Todesengel mit dem
feurigen Schwert sind, die dem Menschen die Rückkehr ins Paradies verweigern.
Ob diese Rückkehr erstrebenswert ist, sei dahingestellt; wenn die SIESTA
jedoch dazu beitragen kann, Zeit für sich selbst, Zeit zum NICHTSTUN und das
Recht auf Faulheit in der AugartenStadt durchzusetzen, dann wäre ein
wichtiges Ziel der SIESTA-Verordnung erreicht. |