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Plakat: Wien gnarrt |
Aktionsradius Wien / März 2011: ART GOES GOVERNMENT RETTET KUNST POLITIK? Bürgermeister
JÓN GNARR |
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Flyer: art goes government |
Mit der Reihe ART GOES GOVERNMENT würdigt
der Aktionsradius Wien dennoch die Initiativen von MusikerInnen,
SchauspielerInnen oder SchriftstellerInnen, die sich in die Politik
einmischten, sei es als SprecherInnen der zivilen Gesellschaft oder direkter
als Wahlkandidaten für Parlamente jeden Ranges. Können sie und ihre
HelferInnen, die sich manchmal als «Antiparteien» organisieren, die
Abwanderung enttäuschter WählerInnen zu xenophoben Populisten stoppen? Können
sie das parlamentarische Getriebe mit dem Geist der Demokratie füllen – oder
passen sie sich schließlich diesem Getriebe an, um schlussendlich zynisch
ihre alte Lust zur Realisierung von Utopien als obsolet und unzeitgemäß zu
verurteilen? Es ist der «Gnarr-Effekt», der uns in diesem
Monat beschäftigt. Isländische Politikwissenschaftler verwenden diesen
Terminus für die Untersuchung der Folgen, die überraschende Erfolge von
Künstler- oder «Spaßparteien», die provokant antiautoritär,
antineoliberalistisch und antirassistisch auftreten, für das überkommene
politische System zeitigen. Damit die Debatte zum «Gnarr-Effekt« nicht
allzu theoretisch wird, holt der Aktionsradius den Namensgeber dieses
Phänomens in die AugartenStadt: den Herrn Jón Gnarr, Schauspieler und
seit einigen Monaten Bürgermeister der isländischen Hauptstadt Reykjavik. In dem
schrecklichen Krieg im ehemaligen Jugoslawien waren es manchmal gerade die
Schriftsteller und Intellektuellen, die zu blindwütigem Hass aufstachelten
und zuweilen mehr Engstirnigkeit und brutalen Chauvinismus offenbarten als
die für diese Tragödie verantwortlichen Politiker. Diese jugoslawische
Erfahrung bewahrt uns vor dem Fehler, die Rolle der Künstlerinnen und
Künstler in der Politik zu idealisieren. |
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Foto: Jón Gnarr |
Montag,
14. März «GNARR». DER
FILM ZUR BESTEN PARTEI JÓN GNARR IN WIEN – TAG 1 Je
tiefer du in der Scheiße sitzt, desto mehr solltest du lachen. Aber dieses
Lachen sollte nicht jene ängstigen, die noch weiter unten gelandet sind,
sondern die Verursacher der Scheiße. Genau das tut die «Beste Partei», die
großartige Siegerin der Kommunalwahlen in der isländischen Hauptstadt. Das
traditionelle Parteienspektrum, das zugelassen hatte, dass Finanzbosse den
Reichtum der Inselgesellschaft verwetteten und einen beispiellosen
ökonomischen Kollaps des Staates hervorriefen, war für viele unwählbar
geworden. Bis 2020 werde das isländische Parlament drogenfrei und resistent
gegen Korruption sein, versprach die „Beste Partei“, deren Gründer Jón
Gnarr nun für kritische Geister in ganz Europa, dessen Völker immer
anfälliger für rechte Populisten vom Schlage Berlusconi, Wilders, Orban oder
Strache werden, zu einem Hoffnungsträger geworden ist. Der Dokumentarfilmer Gaukur
Ulfarsson hat den Triumph des ersten surrealistischen Bürgermeisters Europas begleitet. Jón Gnarr eröffnet
den Abend. Film in Isländisch mit englischen Untertiteln. 94
Min. Beginn 19.30 Uhr, Eintritt: 8 Euro
(Flugkostenbeitrag), Ort: Aktionsradius
Wien | 1200 Wien,
Gaußplatz 11 Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at |
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Foto: Jón Gnarr |
Dienstag,
15. März SIMPLY THE
BEST – RETTET KUNST POLITIK? JÓN GNARR IN WIEN – TAG 2 „Island
war ein Land wie auf Koks, bevor die Wirtschaft zusammenbrach. Als alles
aussichtslos schien und die Bürger von der Politik enttäuscht waren, kamen
der Schauspieler Jón Gnarr und seine Künstlerfreunde an die Macht - mithilfe
einer Coverversion von Simply the best“ – so beginnt eine Reportage der
Süddeutschen Zeitung über eine aus mitteleuropäischer Sicht sensationelle
politische Wende in Reykjavik. Wenn Bürgermeister Gnarr zum Thema
Ausländer befragt wird, sagt er: Die IsländerInnen sind hier alle irgendwann
eingewandert, und damit Schluss mit dem bescheuerten Thema. Am
Tag 2 führen in Wien lebende KünstlerInnen ein Gespräch mit Jón Gnarr über
seine politischen Chancen. Und stellen die Frage, ob kritische Künstler in
Regierungsmacht vom „System“ zerrieben werden – oder das System zerreiben.
Mit dabei: Die feministische Film- und Theatermacherin Eva Brenner,
die in New York und in Wien ein kulturelles Nachbarschaftszentrum aufgebaut
hat, der in Wien lebende Schriftsteller Ilija Trojanow, der einer
Wiederaneignung anarchistischer Anliegen ebenso wenig abgeneigt ist wie Jón
Gnarr und der Theatermacher Hubsi Kramar, dessen dramatische Kunst
in Wien seit Jahren zur Avantgarde radikaler angewandter Gesellschaftskritik
zählt. Diskussion in Englisch; Übersetzung nach Bedarf. Beginn 19.30 Uhr, Eintritt: 8 Euro
(Flugkostenbeitrag), Anmeldungen erwünscht! Ort: Aktionsradius
Wien | 1200 Wien,
Gaußplatz 11 Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at |
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Foto: Jón Gnarr |
Mittwoch,
16. März DAS
BÜRGERMEISTERGIPFELTREFFEN JÓN GNARR IN WIEN – TAG 3 Der
eine Bürgermeister ist ein fiktiver: Akkordeon-Virtuose Otto Lechner ist
würdigster Repräsentant der ironischen Gründung „Augartenstadt“. Der andere
Bürgermeister glaubte zunächst auch, dass er sich sein Amt nur herbeifantasieren
könne: Jón Gnarr, einst Schulabbrecher, Taxifahrer,
Behindertenpfleger, Bassist der Punk-Band „Die triefenden Nasen“, dann der
bekannteste Schauspieler Islands. Inzwischen ist sein Bürgermeisteramt so
real, dass es schwierig war, ihn aus seinen Regierungsgeschäften
herauszureißen und nach Wien zu holen. Neben
Otto Lechner sind an diesem Abend die Musiker Karl Ritter, Rainer
Krispel und andere bereit, sich nicht nur gesprächsweise, sondern auch
künstlerisch mit dem Initiator der „Besten Partei“ auszutauschen. Erleben Sie
die improvisatorische Geburt von Reykjawinkel! Diskussion in Englisch; Übersetzung nach Bedarf. Beginn 19.30 Uhr, Eintritt: 8 Euro
(Flugkostenbeitrag), Anmeldungen erwünscht! Ort: Aktionsradius
Wien | 1200 Wien,
Gaußplatz 11 Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at |
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Foto: Erich Mühsam |
Dienstag,
22. März DIE
EXPRESSIONISTISCHE DICHTERREPUBLIK FILM, VORTRAG, DISKUSSION MIT ANDREA
NAICA-LOEBELL UND RUTH OPPL “Der
Dichter ist der unter die Völker Verstreute; aus tieferem Grunde kommend und
im höheren Sinne ortlos; der Verbannte. Er ist, heute zumal, der ungewiss
Wohnende unter Fremden – denen er sich doch glühend zugehörig fühlt.» Ein
Satz aus dem Essay des expressionistischen Schriftstellers Alfred
Wolfenstein, das dem Andenken Landauers gewidmet war, der 1919 in München von
der Armee ermordet wurde. Gustav Landauer, Erich Mühsam und Ernst
Toller waren die Genialsten unter diesen «Ortlosen»: ein anarchistisches
Autorentrio an der Spitze der Bayrischen Räterepublik. So etwas gab es zuvor
nicht und nicht danach. Die
Kulturarbeiterinnen Andrea
Naica-Loebell und Ruth Oppl hat 2009 in München mit einer Serie
von Veranstaltungen an die Räterevolution erinnert, aus Anlass ihres 90.
Jahrestages. Auch die Bayern haben also «ihr Ägypten» gehabt – aber Andrea Naica-Loebell und Ruth Oppl
konnten nicht verhindern, dass es im kollektiven Gedächtnis keine Spuren
hinterließ. Nähere Informationen: www.raeterevolution.de. Beginn 19.30, Eintritt frei! Anmeldungen erwünscht!
Ort: Aktionsradius
Wien | 1200 Wien,
Gaußplatz 11 Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at |
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Foto: Peter Coreth |
Dienstag,
29. März LEOPOLD SEDAR
SENGHOR & VACLAV HAVEL VORTRAG UND DISKUSSION MIT PETER CORETH Léopold Sédar Senghor war der erste Präsident des unabhängig gewordenen
Senegal (von 1960 bis 1980). Er gilt als Mitbegründer der philosophischen
Strömung der «Negritude», die gegen die eurozentristische Entwertung der
afrikanischen Kulturen als «unzivilisiert» argumentierte. Senghor starb vor
zehn Jahren und hinterließ eine gespaltene Schar seiner Sympathisanten: Ein
Teil meinte, eine Verhärtung des Dichters durch die Politik gespürt zu haben.
Ähnlich ambivalent wurde das Engagement Václav Havels (1989 bis 1992
Präsident der Tschechoslowakei, 1993 bis 2003 Präsident der Tschechischen
Republik) wahrgenommen. Insgesamt 5 Jahre saß er in Gefängnissen, 1968 zählte
er zu den mutigsten Gegnern des Regimes. Ehemalige Bewunderer warfen ihm vor,
als «Realpolitiker» sich von seinem Nonkonformismus und seiner künstlerischen
Autonomie verabschiedet zu haben. Peter Coreth, Leiter des Museum Humanum im Waldviertler
Grenzdorf Fratres, verfolgte die Entwicklung beider Schriftsteller und stellt
seine Thesen zur Diskussion. Nähere Informationen: www.museumhumanum.com.
Beginn 19.30, Eintritt frei! Anmeldungen
erwünscht! Ort: Aktionsradius
Wien | 1200 Wien,
Gaußplatz 11 Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at |
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VORSCHAU
APRIL 2011: |
IMPRESSUM
/ MHV: Aktionsradius Wien, 1200 Wien, Gaußplatz 11 * fon 01-332
26 94, fax DW 8 * office@aktionsradius.at * www.aktionsradius.at
* ZVR 740737083 * Gesamtleitung: Uschi Schreiber * Veranstaltungskonzeption:
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Grafik: Tom Sebesta * Fotos: Von Künstlern und Kooperationspartnern zur
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