Aktionsradius Wien / April 2010

FREIE UNI AUGARTENSTADT
... Wo Lust auf Bildung wie Unkraut spriesst!

 

 

 

 

Die so genannte Bologna-Reform hat die europäischen Universitäten endgültig zerstört, meint die neue StudentInnenbewegung. Und viele Lehrende geben ihr recht. Die Überregulierung, die Verschulung, das System der Knock Out-Prüfungen verhindern, dass Lust auf Bildung entsteht. Wer das ungerichtete Herumstudieren ohne Stress, vorwiegend in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen, auslebte, wurde als Bummelstudent diffamiert. Die Freie Uni Augartenstadt rettet das Bummelstudium (Wienerisch: Pomalistudium), erhebt es gar zum bildungspolitischen Standard! Sie ist offen für Nicht- und Anti-AkademikerInnen. Und vor allem: Ihr selektiertes Lehrpersonal ist aufgerufen, das sozial Bestehende nicht nur zu interpretieren, sondern mit den HörerInnen gemeinsam  Handlungsvarianten auszuarbeiten, wenn Handlungsbedarf besteht. Und weil es kein Gebiet mit null Handlungsbedarf gibt, wuchern die Studienrichtungen der Freien Uni. Wenn dann ganz Europa bolognisiert ist und es nirgendwo mehr Orchideenfächer gibt – in der AugartenStadt wachsen Orchideen wie Unkraut!

 

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Dienstag, 6. April
VORHERNACHHER
Fotos von Mehmet Emir
BANKSCHROTT
Ein Stück des 11%K.Theaters

Ines ist eine Friseurin, die ihr „Gutes tun“ nicht darauf beschränken will, für „Licht ins Dunkel“ zu spenden. Drei- bis viermal im Jahr besucht sie den Augustin-Vertrieb und verpasst allen StraßenzeitungsverkäuferInnen, die das wollen, kostenlos eine neue Frisur. Der Künstler Mehmet Emir fotografierte sie vor und nach dem Haareschneiden. Es war eine Arbeit in seinem Terrain; sein Brotberuf ist nämlich: Sozialarbeit beim Augustin. Gepflegtes Outfit ist ein Schritt zum Unsichtbarmachen der Armut. Die meisten, die am Rande oder tief unten angekommen sind, streben danach – und sind mit ZeitgenossInnen konfrontiert, die ihr „Mitleid“ lieber den sichtbar Armen zuwenden. Die Ausstellung verweist so auf die Ambivalenz der Assimilation unter Anständigkeits-Normen.
Zur Ausstellungseröffnung führt die LaiInnen-Schauspieltruppe des Augustin, das 11%K.Theater, ihr Stück „Bankschrott“ auf. Die einstündige, kurzweilige Krisen-Revue offeriert ein Mosaik von Situationen, die hoffentlich irgendeinmal nur noch in Geschichtsbüchern nachzulesen sind, im Kapitel “Neoliberalismus“.


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort: Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Die Ausstellung ist bis Do, 29. April zu sehen
Öffnungszeiten: mo-do, 10.00-16.00 Uhr oder zu Veranstaltungszeiten
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at


 

 

Donnerstag, 8. April      
CATCH-POP STRING-STRONG
Ab-Ort-Musik: Balkan und mehr


Einen fulminanten Debüterfolg feierten die serbische Bratschistin/Sängerin Jelena Popržan und die kosovo-albanische Cellistin Rina Kaçinari als „Catch-Pop String-Strong“ im Rahmen des vorjährigen Balkan-Fever-Festivals im Porgy & Bess. Mit ihrer einmaligen Bühnenpräsenz und mit einem Repertoire, dass sich von Balkanfolk über eigenwillig arrangierte Klassik und Improvisation zu zeitgenössischen Cabaret-Songs spannt. Gemeinsam mit Ljubinka Jokić dürfte sich eine explosive Gemengelage der Temperamente ergeben. Die fantastische Rock ’n’ Soul-Bardin, bekannt durch ihre Band YOK! sowie Auftritte mit Otto Lechner, Martin Lubenov und der Frauenband Gottfried, ist eine Sängerin von elementarer Kraft und eine an Vlatko Stefanovski geschulte E-Gitarristin von ausgesuchter Virtuosität. Im nie gehörten neuen Programm sollen sich in die Reihe der balkanischen Songs und Tunes sogar Wienerlieder einschleichen. Premiere!


Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: Musikspenden erwünscht
Ort:
Bar Lokativ | 1020 Wien, Arnezhoferstraße 12, www.lokativ.at
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at

 

Dienstag, 13. April
FREIE UNI: ILIJA TROJANOW
Lehrgang Observatologie


Observatologie ist die Wissenschaft der praktischen Überwindung und Überlistung des Überwachungsstaates. Die Freie Uni AugartenStadt hat mit Ilija Trojanow den Mitbegründer dieses neuen Wissenschaftszweiges engagiert. In seiner Startvorlesung wird der Schriftsteller unsteten Aufenthalts zunächst unsere Sensibilität für den neuen Grad von Kontrolle des Menschen durch den Staat oder andere ungebetene Beobachter schärfen. Man braucht im Internet bloß zu recherchieren und Geld anzubieten, um an private Daten zu gelangen. Eine der Kernthesen des 2009 erscheinenden Gemeinschaftswerks von Juli Zeh und Ilija Trojanow „Angriff auf die Freiheit – Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte“ lautet: Es ist nicht die terroristische Bedrohung seit dem 11. September 2001, die unseren freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat ins Wanken bringt, sondern es sind die Maßnahmen dieses Rechtsstaates im Kampf gegen den Terror. Der letzte Teil der Vorlesung, deren Thesen selbstverständlich zur Debatte stehen, ist den Widerstandsformen gegen die Überwacher gewidmet.


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort:
Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at



 

Montag, 19. April
FREIE UNI: WOLFGANG KOS
Lehrgang Metropologie


Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums, hat der Amerikanisierung Wiens in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein eigenes Kapitel in der aktuellen Ausstellung „Der Kampf um Wien“ gewidmet. Der urbane Alltag erfuhr in den 1920er-Jahren einen tiefgreifenden Modernisierungsschub und wurde dynamischer, schneller und greller. Der Verkehr nahm zu, Leuchtreklamen, Film-Paläste und eine amerikanisch geprägte Populärkultur vermittelten ein neues großstädtisches Lebensgefühl. Zumindest abgeschwächt gab es auch in Wien die "Roaring Twenties", mit einem Schuss Frivolität in Mode, Styling und geschlechtlichen Rollenmustern – zumindest bis zum um 1930 spürbaren konservativen Kulturbruch. In seiner Startvorlesung vergleicht Kos diesen historischen Globalisierungsschub, der von fortschrittlich denkenden Menschen bejubelt wurde, mit den heutigen Internationalisierungstendenzen in Wien: Der Jubel ist weg, Trauer und Zorn treten an seine Stelle. Man beklagt das Verschwinden des authentischen Wien, man kritisiert den Prozess der Angleichung der Städte. Die Debatte über ein richtiges Verhältnis von Alt und Neu mit Wolfgang Kos wird spannend werden...


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort:
Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at



 

Dienstag, 20. April
FREIE UNI: VERENA KRAUSNEKER / DORIS KITTLER
Lehrgang Schul/Leidenschaft


Diese Studienrichtung kommt ganz modern daher, ist aber eigentlich erzkonservativ. Im Teamteaching von Verena Krausneker und Doris Kittler gibt es zur Verschleierung daher multimediale Denkanlässe und unfrontalen Input.
Doris Kittler, Chefdokumentaristin der Augartenstadt, hat über den Augartenrand hinweggeschaut und über einige Monate hinweg gefilmt, was in einer ganz normalen Mehrstufenintegrationsklasse an der Peripherie Wiens so passiert: Ein Mikrokosmos voller wacher, kreativer und selbst bestimmter Geschöpfe in einem Schulsystem, von dem sie selbst immer geträumt hat. Es ist eine 73 Minuten lange Filmdokumentation entstanden, die sie an diesen Abend als Vorpremiere zeigt.
Verena Krausneker, Sprachwissenschaftlerin, stellt ein paar rein subjektive, unbelegte aber durchdachte Thesen über das was „Schule“ genannt wird zur Diskussion. Dazu fühlt sie sich qualifiziert, da sie als ehemalige Alternativschülerin und nun Universitätslektorin in Wien und Hamburg, sowie Mitbegründerin des Feldenkrais Institut Wien viele Arten des Lernens aus unterschiedlichsten Perspektiven erlebt hat. Aktive Teilnahme der Studierenden erwünscht!


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort:
Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at



 

Mittwoch, 21. April
FREIE UNI: BEFREIUNG WELTWEIT. EIN BUCH
Lehrgang veränderungskunde


Über den Versuch, den Kapitalismus einzuholen, verloren die Kommunistischen Parteien Osteuropas und die linke Theorie das Ziel einer neuen gemeinschaftlichen Kultur aus den Augen. Die beiden Widersacher, der „Osten“ und der „Westen“, lösten sich im Massenkonsum einer Mittelstandsgesellschaft auf. Welchen Weg aus dieser Sackgasse hin zu einem universellen Projekt der Befreiung, das in allen Kulturen Platz haben muss, gibt es? An die „Arbeiterklasse“ als revolutionäre Kraft glaubt niemand mehr. Wer sind aber die kommenden AkteurInnen des interkulturellen Schulterschlusses, der für eine Überwindung des Bestehenden notwendig ist? Wilhelm Langthaler versucht diese Frage in seinem neuen Buch „Befreiung weltweit. Revolutionäre Subjekte jenseits der Arbeiterklasse“, das im Promedia Verlag erscheint, zu beantworten. Für die Freie Uni spricht Franz Wimmer vom Institut für Philosophie der Uni Wien mit dem Autor.


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort:
Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at



 

Freitag, 23. April
FREIE UNI: M.EMIR / A. WAHL / R. SCHUBERTH / CYMAYEKE
Lehrgang RADIKAle aphoristik


„Na siehst du, auch Obama hat nichts ordentlich weiter gebracht. Das kannst du auch vorweisen. Versöhne dich mit deiner Mittelmäßigkeit. Sie ist das wirklich Liebenswerte an dir.“ Für die im Sternzeichen Widder Geborenen hatte das Horoskop der Stadtzeitung Augustin nichts sensationelleres zu bieten. Wir lüften das Geheimnis der Autorenschaft: Andreas Wahl (OÖ) liest ausgewählte Horoskope aus seiner monatlichen Augustin-Rubrik „Astroshow“, dem einzigen Boulevard-Horoskop mit Linksdrall. Der Autor Richard Schuberth liest ab etwa 20.30 Uhr aus seinem „Neuen Lexikon des Teufels“. Es ist eine Enzyklopädie, die sich an das „Wörterbuch des Teufels“ anlehnt, das der US-amerikanische Dichter, Aphoristiker und Journalist Ambrose Bierce (1842–1914) im Jahre 1911 veröffentlichte. Dazwischen gibt es Live Musik mit Cymayeke. Ein Quartett, welches sich lustvoll im Bereich der freien Improvisation bewegt, tanzt, rennt, springt, stolpert, schleicht, fliegt. Besetzung: Angelina Ertel, Liselotte Lengl, Erich Wolfesberger, Herbert Lacina. Der Fotograf Mehmet Emir führt ab 18 Uhr durch seine Fotoausstellung VORHERNACHHER, die am 6. April eröffnet wurde. Im Rahmen von Q202.


Zeit: 18.00-22.00 Uhr; Eintritt frei / Künstlerspenden erwünscht
Ort:
Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at



 

 

Donnerstag, 22. April & Sonntag, 25. April
FRIENDS OF RIO REISER FESTIVAL
Ab-Ort-Musik: FÜR IMMER UND DICH


60 Jahre wäre er im Jänner geworden. Solange auf die Mauern der großen Städte das große A im Kreis gesprayt wird, solange werden seine anarchistischen Songs wie „Keine Macht für niemand“ gehört und gesungen werden. Und die leisen Lieder wie „Halt dich an deiner Liebe fest“ oder „Für immer und Dich“ sind sowieso ewig gültig. 1996 ist Rio Reiser – Sänger, Musiker (bei „Ton, Steine, Scherben“), Komponist, Texter und Schauspieler gestorben, zehn Jahre später haben Wiener Musiker begonnen, sich auf Rio einzulassen. Eine der letzten Songzeilen, die Rio Reiser schrieb – „Ich weiß, irgendwo ist da ein Licht, doch ich kann euch nicht führen, denn ich weiß den Weg nicht“ – drückt die Ratlosigkeit der Linken aus, die heute, mitten in der Stunde der Populisten, doppelt riskant erscheint.


Donnerstag, 22. April: Heino Fischer, Schauspieler, Komponist, Texter, Sänger, Gitarrist, feiert sein Wiederauftauchen aus Kärnten mit Songs von Rio Reiser.
Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: Eintritt: Musikspenden erwünscht

 

Sonntag, 25. April: Die Rio Reisers. Besetzung: Michael Bruckner (git), Rainer Krispel (vok), Mario Lang (vok), Walther Soyka (akk), Vincenz Wizlsperger (tub).
Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: 13 Euro


Ort: Bar Lokativ | 1020 Wien, Arnezhoferstraße 12, www.lokativ.at
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at


 

Montag, 26. April

NACHDENKEN AUF PARISER ART
Das Philosophische Café


Das Kaffeehaus voller Nachdenklicher, das kollektiv und streitbar hinter die Rätsel unseres Alltags zu blicken versucht, geht in die nächste Runde. So viele Fragen in dieser Zeit – und so wenig Gelegenheit, sie mit Menschen, die ähnliche Fragen stellen, gemeinsam  zu diskutieren. Ist eine andere Zukunft vorstellbar, in der die durch die Kaufhäuser schlurfenden Massen ihre Blicke von den Displays erheben, die unsere verführbaren Begierden in Geisel-Haft halten und sich stattdessen ihren Mitmenschen zuwenden? Werden sie staunen? Darüber, was auf einmal alles möglich ist? Wie viel wir aus freien Stücken füreinander tun können?
Auch 2010 gleichbleibend: der letzte Montagabend des Monats, Univ. Prof. Dr. Josef Rhemann als Moderator – und das „Pariser Prinzip“ der von der französischen Metropole ausgehenden Bewegung der Philocafés: Thema ist das, wofür sich die TeilnehmerInnen des Tages entscheiden.


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort:
Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11
Infos: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at, www.aktionsradius.at



 

Dienstag, 27. April
FREIE UNI: WERNER RÜGEMER
Lehrgang KrimInologie


Der in Köln lebende Publizist, Lehrbeauftragte und Berater Werner Rügemer, bekannt aus Erwin Wagenhofers Film „Let´s make money“, vermag in einer wohltuend verständlichen Sprache die Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu erklären. Dass die großen Banken mit öffentlichen Geldern gerettet werden, weil sie angeblich „systemische Bedeutung“ haben, ist billiges Schauermärchen, sagt Rügemer. Damit werden die unwissend gehaltenen Gewerkschaften und die Bevölkerung erpresst. Etwa 90 Prozent aller Finanzgeschäfte in der neoliberalen Praxis sind reine Interbanken-Geschäfte, Wetten und Versicherungen zwischen Banken und anderen Finanzakteuren (Hedgefonds). Solche Finanzpraktiken, fälschlich als „Investitionen“ bezeichnet, schaffen kurzfristig einige zehntausend Arbeitsplätze im Finanzsektor, zerstören aber Millionen Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor und in der Realökonomie. Die Zerstörung würde weitergehen, wenn diese Praktiken weiter mit Staatshilfe gestützt werden. Zur Gesundung der Weltwirtschaft muss dieser toxische Riesen-Wasserkopf nicht gerettet, sondern abgeschnitten werden, will Rügemer beweisen. Um die Realökonomie zu retten und weiterzuentwickeln, müsse die bisherige Art der Bankenrettung verhindert werden.


Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei!
Ort:
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VORSCHAU MAI:
GEH ORGIEN


 

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